Pestsäule an der Siegsdorfer Straße
category Objekte

Pestsäule an der Siegsdorfer Straße

Am östlichen Ortsende von Vachendorf steht an der Siegsdorfer Straße eine sehr alte sogenannte „Pestsäule“. Aus der „Denkmaltopographie, Landkreis Traunstein, 2007“ lässt sich entnehmen, dass sie am Beginn des 16. Jahrhunderts entstanden sein soll. Lehrer Franz Liebl sprach von einer spätgotischen Säule, wie genau man zu dieser Datierung kommt entzieht sich aber meiner Kenntnis. Sollte es sich tatsächlich um eine „Pestsäule“ handeln, wäre sie wohl aus Dankbarkeit für eine vorübergegangene Epidemie errichtet worden oder auch vorsorglich, um Gottes Beistand zu erwirken. Jedenfalls ist nach dem Zusammenhang mit einer Pestepidemie zu suchen und hier ist uns aus dem frühen 16. Jahrhundert nichts bekannt.

Es gab zwei große Pestepidemien, von denen das ganze Land betroffen war. Die erste 1348/49 als rund 1/3 der Bevölkerung dahingerafft wurde und eine zweite dann bayernweit 1633-35 als z.B. fast das ganze Achental entvölkert wurde (nur zwei Familien waren nicht betroffen). In der Pfarrei Haslach-Traunstein starben von 664 Menschen wohl 443 am schwarzen Tod. Daran erinnert der Peststein auf dem Pestanger unterhalb Sparz in Traunstein. Naheliegend ist natürlich, dass bei diesen Epidemien auch Vachendorf nicht ungeschoren davongekommen ist. Aus unseren Sterbebüchern ist jedenfalls bekannt, dass im Jahr 1649 zweieinhalb Mal so viele Menschen starben wie in „normalen“ Jahren (es waren 70 Todesfälle). Ob es nun wirklich an der Pest lag, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen, denn ebenso gut ist denkbar, dass es an der schlechten Zeit zum Ende des 30-jährigen Krieges lag, in der die Leute kaum zu essen hatten.

Wie auch immer, jedenfalls war die Pest für die Menschen früher eine ständige, nicht greifbare und unheimliche Bedrohung und so empfand man sie als Geißel Gottes gegen die man Mangels Antibiotika nur mit einem frommen Leben, mit Gebet oder auch mit einer Wallfahrt vorgehen konnte. Bereits in der Antike wurde die Pest mit dem Gott Apoll in Verbindung gebracht, der seine Pestpfeile strafend auf die Menschen schoss. So war es dann auch nur logisch, dass der Hl. Sebastian, der das Martyrium ja durch Erschießen mit Pfeilen erlitt als Pestheiliger um Fürsprache vor Gott angefleht wurde. Ende des 17. Jahrhunderts, etwa 1690 schnitzte der Bildhauer Georg Pämer aus Traunstein dann auch folgerichtig einen Hl. Sebastian für die neue Vachendorfer Pfarrkirche. Die Figur steht noch heute am rechten Seitenaltar.

Ob Pestsäule oder nicht und wie alt er auch immer sein mag, unser Bildstock an der Siegsdorfer Straße ist aus Ruhpoldinger Marmor gefertigt und er ist aus einem Stück gemeißelt. In der „Laterne“ befindet sich eine Christophorusfigur mit Jesuskind, die 1969 einen älteren gemarterten Christus ersetzte. Wo dieser Christus jetzt ist, ist mir nicht bekannt. Die Säule ist im Eigentum der Gemeinde und sie wurde 1986 das letzte Mal restauriert. Seit 1993 steht sie an ihrem heutigen Platz, bis dahin stand sie ca 100 m dorfeinwärts an der rechten Straßenseite. Vor die Säule wurde ein Brunnentrog (nicht ganz mittig) platziert, der vom Gartenbauverein mit Blumen bepflanzt wird.

Jochen Nistler (K.u.H., Freundeskreis Kultur und Heimatpflege)


Über die Pestsäule gibt es einen ausführlichen wikipedia-Artikel unter https://de.wikipedia.org/wiki/Pestsäule_an_der_Siegsdorfer_Straße_in_Vachendorf

Text Chronik 1990:
An der Siegsdorfer Straße, am östlichen Orteingang, steht eine spätgotische fast 500 Jahre alte Pestsäule (Anfang 16. Jahrhun-dert) •
Ihr achteckiger Schaft, dessen Vorderseite zu einem Reliefkreuz ausgebildet ist, beinhaltet nach Osten hin eine vergitterte Laterne mit drei aufgesetzten Zacken (halber sechseckiger Stern), in dem eine stilvolle neuzeitliche Terrakotta-Christophorusfigur untergebracht ist. Gesamthöhe 200cm. Die Säule war vor der Restaurierung bereits so verwittert, daß heute weder Reliefdarstel-lungen noch Inschriften zu erkennen sind.
Restaurierung durch die Gemeinde (Eigentümerin) im Jahre 1986.
Am östlichen Ortsende von Vachendorf steht an der Siegsdorfer Straße eine sehr alte sogenannte „Pestsäule“. Aus der „Denkmaltopographie, Landkreis Traunstein, 2007“ lässt sich entnehmen, dass sie am Beginn des 16. Jahrhunderts entstanden sein soll. Lehrer Franz Liebl sprach von einer spätgotischen Säule, wie genau man zu dieser Datierung kommt entzieht sich aber meiner Kenntnis. Sollte es sich tatsächlich um eine „Pestsäule“ handeln, wäre sie wohl aus Dankbarkeit für eine vorübergegangene Epidemie errichtet worden oder auch vorsorglich, um Gottes Beistand zu erwirken. Jedenfalls ist nach dem Zusammenhang mit einer Pestepidemie zu suchen und hier ist uns aus dem frühen 16. Jahrhundert nichts bekannt.

Es gab zwei große Pestepidemien, von denen das ganze Land betroffen war. Die erste 1348/49 als rund 1/3 der Bevölkerung dahingerafft wurde und eine zweite dann bayernweit 1633-35 als z.B. fast das ganze Achental entvölkert wurde (nur zwei Familien waren nicht betroffen). In der Pfarrei Haslach-Traunstein starben von 664 Menschen wohl 443 am schwarzen Tod. Daran erinnert der Peststein auf dem Pestanger unterhalb Sparz in Traunstein. Naheliegend ist natürlich, dass bei diesen Epidemien auch Vachendorf nicht ungeschoren davongekommen ist. Aus unseren Sterbebüchern ist jedenfalls bekannt, dass im Jahr 1649 zweieinhalb Mal so viele Menschen starben wie in „normalen“ Jahren (es waren 70 Todesfälle). Ob es nun wirklich an der Pest lag, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen, denn ebenso gut ist denkbar, dass es an der schlechten Zeit zum Ende des 30-jährigen Krieges lag, in der die Leute kaum zu essen hatten.

Wie auch immer, jedenfalls war die Pest für die Menschen früher eine ständige, nicht greifbare und unheimliche Bedrohung und so empfand man sie als Geißel Gottes gegen die man Mangels Antibiotika nur mit einem frommen Leben, mit Gebet oder auch mit einer Wallfahrt vorgehen konnte. Bereits in der Antike wurde die Pest mit dem Gott Apoll in Verbindung gebracht, der seine Pestpfeile strafend auf die Menschen schoss. So war es dann auch nur logisch, dass der Hl. Sebastian, der das Martyrium ja durch Erschießen mit Pfeilen erlitt als Pestheiliger um Fürsprache vor Gott angefleht wurde. Ende des 17. Jahrhunderts, etwa 1690 schnitzte der Bildhauer Georg Pämer aus Traunstein dann auch folgerichtig einen Hl. Sebastian für die neue Vachendorfer Pfarrkirche. Die Figur steht noch heute am rechten Seitenaltar.

Ob Pestsäule oder nicht und wie alt er auch immer sein mag, unser Bildstock an der Siegsdorfer Straße ist aus Ruhpoldinger Marmor gefertigt und er ist aus einem Stück gemeißelt. In der „Laterne“ befindet sich eine Christophorusfigur mit Jesuskind, die 1969 einen älteren gemarterten Christus ersetzte. Wo dieser Christus jetzt ist, ist mir nicht bekannt. Die Säule ist im Eigentum der Gemeinde und sie wurde 1986 das letzte Mal restauriert. Seit 1993 steht sie an ihrem heutigen Platz, bis dahin stand sie ca 100 m dorfeinwärts an der rechten Straßenseite. Vor die Säule wurde ein Brunnentrog (nicht ganz mittig) platziert, der vom Gartenbauverein mit Blumen bepflanzt wird.

Jochen Nistler (K.u.H., Freundeskreis Kultur und Heimatpflege)


Über die Pestsäule gibt es einen ausführlichen wikipedia-Artikel unter https://de.wikipedia.org/wiki/Pestsäule_an_der_Siegsdorfer_Straße_in_Vachendorf

Text Chronik 1990:
An der Siegsdorfer Straße, am östlichen Orteingang, steht eine spätgotische fast 500 Jahre alte Pestsäule (Anfang 16. Jahrhun-dert) •
Ihr achteckiger Schaft, dessen Vorderseite zu einem Reliefkreuz ausgebildet ist, beinhaltet nach Osten hin eine vergitterte Laterne mit drei aufgesetzten Zacken (halber sechseckiger Stern), in dem eine stilvolle neuzeitliche Terrakotta-Christophorusfigur untergebracht ist. Gesamthöhe 200cm. Die Säule war vor der Restaurierung bereits so verwittert, daß heute weder Reliefdarstel-lungen noch Inschriften zu erkennen sind.
Restaurierung durch die Gemeinde (Eigentümerin) im Jahre 1986.

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